
Das Festival der Kulturerbe-Orte
ab 13.Mai 2026 bis 15.Juli 2026, immer Mittwochabend, immer um 19.00 Uhr
Am 13. Mai 2026 um 19.00 Uhr startet in der Kirchenruine in Podelzig das STELLDICHEIN 2026 – das Festival der Kulturerbe-Orte im Oderbruch. Das kleine Festival steht unter dem Motto „Das Oderbruch Lesen“ und präsentiert an zehn Mittwoch Abenden, immer an einem anderen Kulturerbe-Ort bemerkenswerte Literatur. Eine besondere Einladung die Kulturerbe-Orte kennenzulernen, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

Den Auftakt macht keine klassische Lesung, sondern eine Theateraufführung. „Die Alte im Bruch. Erinnerungen über ein Menschenleben hinaus“ heißt das Stück, dass Monika Klauschke, Christina Hohmuth, Corvin Wittsack und Frank Radüg vom Theater Frankfurt auf die Bühne bringen werden.
Über ihr Bühnenstück schreibt das Theater: „Sie ging so lautlos, so still, wie sie ihr Leben gelebt hatte, unweit vom Fluss, der alle Jahrzehnte über die Ufer ging und ihren Hof umspülte. Es gab Zeiten, da konnte sie den Raps aus dem Küchenfenster, mit einen Milcheimer fangen. Aber das war, als sie noch jung und nicht blind war. Mit dem Gehen ihres Augenlichts wurde sie sehend. Und sie schaute den Fluss hinauf und hinab, sah ihn sich durch die Jahrhunderte winden, mit dem Fluss kommende und gehende Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Zeiten. Sie fühlte die Enge der kriegerischen Jahre und die Enge greifender Kolchosen, die ihr Stückchen Land, was sie von ihren Eltern geerbt hatte, vereinnahmten und bewirtschafteten mit Gemüse, was sie nicht mochte. Als sie starb, die Alte im Bruch, da war sie nicht allein. Ruth hielt ihr die Hand und feuchtete ihre Lippen, so wie sie sie schon viele Jahre versorgte, mit Lebensmitteln, richtigen und falschen Neuigkeiten aus der Gegend und der Welt.“
Lassen Sie sich auf eindringliche Weise ins Oderbruch und dessen jüngere Geschichte entführen. Für den Text und die Regie zeichnet Frank Radüg verantwortlich, das Bühnenbild entwarf Christina Hohmuth.

Der zweite Festivalort im Mai ist Neutrebbin. Am Mittwoch, dem 20. Mai, lädt die Interessengemeinschaft Alter Fritz e. V. um 19.00 Uhr zu einer Lesung in die Oderbruchstube in der Wriezener Straße 1 ein. Hier steht eine bemerkenswerte Biografie im Mittelpunkt, die von Erwin Schuch, der seine Kindheit und Jugend im Oderbruch verbrachte und 1951 mit der Familie in den Westen floh, um seiner beruflichen Passion zu folgen: der Arbeit mit Pferden. Aber das Leben hielt einige Überraschungen für Erwin Schuch bereit. Die Arbeit in der Großstadt als Pferdepfleger für die Berliner High Society, war nichts für ihn, er zog aufs Land bei Hamburg, wurde Fernfahrer, Tiefbauer, Busfahrer und schließlich Wasserbauer in Lauenburg an der Elbe.
„Lütt´ Man. Die wahre Geschichte des Pferdenarren Erwin Schuch“ heißt das Buch von Sigrid Stein, aus dem Kenneth Anders und Lars Fischer an diesem Abend einige Episoden lesen werden.

Am 27.Mai ist das STELLDICHEIN in Golzow im Filmmuseum „Die Kinder von Golzow“ zu Gast.
An diesem Mittwochabend ist ein Teil der Ortgeschichte Golzows zu entdecken: Es wird aus den bis 1874 zurückreichenden Golzower Schulchroniken gelesen, die reich an Erinnerungen und Anekdoten sind. Ergänzt um überraschende Texte aus dem Gemeindearchiv verspricht die Lesung eine spannende Reise in die Vergangenheit zu werden. Eine Präsentation historischer Bilder vertieft den Rückblick in die Geschichte des Dorfes.
Hier ein kleiner Auszug: „Nach der allgemeinen Verfügung des Königlich Preußischen Ministers der geistlichen Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten vom 15. Oktober 1872 über Einrichtung, Aufgabe und Ziel der preuß. Volksschule wird in § 6 der Wunsch ausgedrückt, bei mehrklassigen Schulen die Geschlechter der oberen Klassen zu trennen. Diesem Wunsche ist versuchsweise der hiesige Lokalschulinspektor Herr Pfarrer Dr. Hubert im Einverständnisse mit dem Superintendenten und Königlichen Schulinspektor Herrn Henschke in Sachsendorf – der jedoch einige Bedenken darüber äußerte – nachgekommen. Die Geschlechter wurden nun der Art verteilt, das der Kantor die erste Knaben- und der zweite Lehrer die erste Mädchenklasse erhielt. Diese versuchsweise Trennung hat sich aber, wie die Erfahrung gelehrt, nicht bewährt. Die Ursache lag hauptsächlich daran, dass ein Lehrer fehlte, wodurch ganze Unterrichtsgegenstände nicht in Behandlung genommen werden konnten. Bei fünf Lehrern mag obige Einrichtung wohl vom Vorteil sein, nicht aber bei wenigeren. Sollte demnach die obige Einrichtung bestehen, so bekämen die beiden oberen Klassen die Kinder zwei Jahre zu früh – also ohne die nötige Vorbildung. Nachdem Herr Pfarrer Dr. Hubert und auch die Lehrer einsahen, dass auf diesem Versuchswege das vorgesteckte Pensum nicht zu erreichen war, setzte Ersterer den Herrn Superintendenten Henschke von diesem Übelstande in Kenntnis und die alte Ordnung mit „nicht getrennten Geschlechtern“ wurde am 9. April 1874 wieder eingeführt.“
Näheres zu den weiteren Veranstaltungen der Reihe finden Sie unter oderbruchmuseum.de/2026-oderbruch-lesen/ und im Newsletter für den Monat Juni.
STELLDICHEIN – das Festival der Kulturerbe-Orte wird finanziert von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Kulturerbe Oderbruch.