
Ein kleiner Nachruf auf Joachim Cäsar Schmidt
Jeder hier kannte Cäsar. Er hatte ein lautes Organ, und er wusste es einzusetzen – bei Versammlungen, beim Festumzug, am Gartenzaun. Immer wieder staunte man über seine Geschichten und Erlebnisse, wen er alles kannte, mit wem er schon zu tun gehabt und gesprochen hatte. Die brandenburgischen Ministerpräsidenten, Bundespolitiker und Prominente. Sogar mit Wladimir Putin, so beteuerte er, habe er einmal ein Bier getrunken, und zwar im Schloss Altranft, als dieser zu einer Inspektion des Truppenübungsplatzes Sonnenburg in Altranft weilte. Wahrscheinlich stimmte das auch alles, denn die Scheu, einflussreiche Leute anzusprechen, ging ihm völlig ab und sein Durchsetzungsvermögen war enorm. Die alten Eichen am Autohaus? Müssen unbedingt mal wieder einen Pflegeschnitt bekommen, damit kein Wasser eindringt! Die Friedenslinde auf dem Dorfanger? Braucht eine Rundbank! Genehmigung? Ich werd‘ dir was mit Genehmigung! Ob Landrat, Bürgermeister oder Minister, Cäsar ging ohne Scheu auf die Leute zu und nahm sie in die Pflicht. Und so hielt er es auch mit seinen Nachbarn.
Diese natürliche Kraft war ohne Zweifel schon aus Gründen des Selbsterhalts für ihn selbst von existenzieller Bedeutung gewesen. 1937 geboren, hatte er sich gegenüber 15 Geschwistern Gehör zu verschaffen. Die Familie wohnte in Falkenwalde bei Bärwalde (heute Mieszkowice), der Vater stand im Dienst Henning von Tresckows. Zum Ende des Krieges musste die Familie fliehen und kam schließlich nach Altranft. Und der Name? „Den Namen Cäsar hab ich 1948 von Lehrer Linzius bekommen. Ich hatte einen Pullover aus Sackleinen und hatte den im März schon an, weil es noch kalt war. Der hatte solche Streifen, da sagte einer: der sieht ja aus wie`n Zebra. Da sagte Linzius: Ja, aber so nennen wir den nicht, wir nennen ihn Cäsar.“ So erzählte er es 2016.
Cäsar lernte Bäcker, arbeitete als Kraftfahrer und qualifizierte sich bis zum Agraringenieur. Aufgrund seiner vielen Aktivitäten erlebte er auch so viel. Manche seiner Erinnerungen kann man heute an den Wänden des Museums lesen: „Am 17. Juni hat man mich 2 ½ Stunden eingesperrt. Haben mich auf dem Weg zu meinem Bäckermeister in Freienwalde aufgegriffen, auf einen SPW gezerrt und eingesperrt. Von da an hab ich bei meinem Meister geschlafen und bin nur zum Fußball nach Altranft zurück.“
Bis zu seinem letzten Lebensjahr war Cäsar ein leidenschaftlicher Jäger der alten Schule mit Sinn für die Ethik der Jagd und einem sicheren Schuss. Er engagierte sich beim Karneval, beim Handball, im Brandschutzverein, im Altranfter Traditionsverein. Er redete mit jedem, und er machte immer mit, wenn etwas zu unternehmen war. Seit Jahren hatte er die Federführung beim traditionellen Erntekronenbinden am Fischerhaus. Hoffentlich geht diese Tradition auch ohne ihn weiter.
Cäsar war unser Urgestein, so haben es Andrea Lemke und Dana Hawemann ausgedrückt. Seine unbeschreibliche Energie konnte anstrengend sein, aber sie wird Altranft fehlen. Am 7. Januar ist Cäsar im Alter von 88 Jahren gestorben.
Kenneth Anders