Ein großer Dank

Foto Stefan Schick

Zum Tod von Brigitte Faber-Schmidt

Das erste Mal trafen wir Brigitte Faber-Schmidt auf einem Fahrgastschiff. Sie hatte alle, die im Jahr 2007 am Kulturland-Jahr „Fokus Wasser“ mitgewirkt hatten, zu einem Abend auf dem Wasser in Potsdam eingeladen. Auf der Reling liefen wir ihr in die Arme. „Ah, Oderbruch!“, sagte sie, und wies uns freundlich den Weg aufs Deck. An diesem Abend begann nicht nur eine kleine Bootsfahrt, sondern auch eine gemeinsame Reise. Viele Projekte konnten wir im Rahmen von Kulturland Brandenburg realisieren, jedes davon war ein wichtiger Schritt in unserer eigenen Entwicklung. Außerdem kamen wir mit vielen Menschen in Berührung, die in Brandenburg verschiedenste Kulturprojekte realisierten. Das war interessant. Die Fördersummen waren nicht hoch, aber entscheidend war, dass wir in unserer Arbeitsweise ermutigt und ernstgenommen wurden. So lernten wir schrittweise das Laufen. Damals fehlte uns jedes institutionelle Hinterland, aber Brigitte Faber-Schmidt ließ sich davon nicht beirren: Sie traute uns etwas zu und ermutigte uns immer wieder, für ein neues Projekt den Hut in den Ring zu werfen.
Knapp zehn Jahre später traten wir in die Verantwortung für das Oderbruch Museum Altranft ein, das zuvor als Freilichtmuseum geschlossen worden war. Auf unsere Bitte hin wirkte sie im neu gegründeten Programmbeirat mit und übernahm dessen Vorsitz. Das war kein einfaches Amt, denn dieser Neuanfang war von vielen Auseinandersetzungen gekennzeichnet. Hier lernten wir zwei ihrer weiteren Eigenschaften kennen: Sie war absolut zuverlässig, und sie war fleißig. Zu den Sitzungen erschien sie immer pünktlich, ihre rasante Fahrweise machte es zwischen einer wachsenden Zahl an Terminen möglich. Außerdem kam sie immer gut vorbereitet, was vor allem in diesen Jahren, in denen es viel zu entscheiden gab, für eine Versammlungsleitung essentiell war. Nach und nach gelang es, die Entwicklung dieses neuen Museums zu stabilisieren. Dabei übernahmen wir auch viele strukturelle Aspekte von Kulturland Brandenburg, was insbesondere beim Aufbau unseres Kulturerbe-Netzwerkes hilfreich war.
Auch darüber hinaus hatte Brigitte Faber-Schmidt immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen und, wie wir nach und nach feststellten, ebenso für die Anliegen unzähliger anderer. Es war eigentlich unfassbar, in wie vielen Netzwerken und Feldern sie unterwegs war – von der Pflege historischer Parks bis zur kulturellen Bildung, von den Festivals bis zu den Kulturverwaltungen. Und überall investierte sie ihre unnachahmliche Beziehungsarbeit
Als sie schließlich als Abteilungsleiterin in das Kulturministerium wechselte, verantwortete sie die neue Förderrichtlinie „Regionale Kulturelle Ankerpunkte im Land Brandenburg“, die dem Oderbruchmuseum bis heute seine inhaltliche Arbeit mit den Jahresthemen ermöglicht. Dennoch ging es bei unserer Zusammenarbeit nie nur um die finanziellen Mittel. Vielmehr haben wir immer darum gerungen, eine Sprache für das Anliegen und die geeigneten Formen öffentlicher Kulturförderung zu finden, weshalb auch Tagungen und Workshops zu ihrem Alltag gehörten.
Das Engagement dieser beeindruckenden Frau ging nicht ohne Enttäuschungen ab, die sie manchmal auch preisgab. Nicht alles ließ sich einlösen, und nicht immer waren jene, in die sie ihre Hoffnungen setzte, mit der gleichen Verve bei der Sache, wie sie es war. Auch das Spannungsfeld, das sich zwischen den zähen politisch-bürokratischen Prozessen und dem Feld der kulturellen Inspiration auftat, dürfte an Brigitte Faber-Schmidt ihre Spuren hinterlassen haben. Umso mehr haben wir ihre Unbeirrtheit und Beständigkeit bewundert.
Im Februar, schon schwer von ihrer Krankheit gezeichnet, hatte sie sich in Potsdam von ihren vielen Mitstreitern verabschiedet. Eingehüllt in einen nicht enden wollenden Applaus saß sie im Flur des Kulturministeriums und nahm in aller Stille auf, was wohl niemand in Worte fassen konnte, aber doch alle sagen wollten: einen großen Dank. Nun ist Brigitte Faber-Schmidt gestorben, und sie fehlt uns.


Kenneth Anders und Lars Fischer