Ein Nachruf zum Tod von Prof. Joachim Quast

Foto Stefan Schick

Der Landschaftswasserhaushalt war sein Thema

Wie wir vor Kurzem erfuhren, ist Professor Joachim Quast am 19. Mai 2026 im Alter von 83 Jahren verstorben. Am Leibnitz-Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF) e.V. in Müncheberg baute Professor Quast das Institut für Landschaftswasserhaushalt auf, welches er bis zu seinem Gang in den Ruhestand 2008 leitete. Die Aufgabe des Institutes war die Ausarbeitung von Strategien und Konzepten für ein integriertes Management von Land- und Wasserressourcen, die der nachhaltigen Entwicklung von agrarisch geprägten Kulturlandschaften wie zum Beispiel in der Oderregion dienen sollen.

Der passionierte Hydrologe und Wasserbauingenieur hat den Oderbruchpavillon von Anbeginn und später auch das Oderbruch Museum Altranft mit Interesse begleitet und unsere Fragen zum Landschaftswasserhaushalt im Oderbruch geduldig beantwortet. Wir verdanken ihm einen großen Teil unseres Wissens über die Wasserverhältnisse im größten Flusspolder Deutschlands. Seine Expertise und durchaus auch streitbaren Vorschläge haben das Bewusstsein für die wasserwirtschaftlich herausfordernde Lage des Oderbruchs geschärft.

Wasserwirtschaftliche Vorleistungen für die Komplexmelioration des Oderbruchs führten ihn 1969 das erste Mal ins Oderbruch. Die Untersuchungen Quasts zum anfallenden Drängewasser, das permanent aus dem Flussbett der Oder über den aus Sand und Kies bestehenden Grundwasserleiter unter den Deichanlagen hindurch ins Bruch strömt und abgeleitet werden muss, um die Böden nutzen zu können, führten zu Veränderungen am wasserbaulichen Konzept der Komplexmelioration. Die Gräben konnten zahlenmäßig verringert, weniger tief und im Durchschnitt kleiner angelegt werden. Ihr Verlauf wurde verändert; sie führten nicht mehr im rechten Winkel von der Oder fort, sondern wurden quer zur Fließrichtung im Grundwasserleiter und dem Gefälle des Bodens angeordnet.

Das Wasserregime im Oderbruch, dessen Regulierung und Nutzung das Rückgrat dieser Landschaft ist, bildete im Berufsleben von Joachim Quast einen wiederkehrenden Gegenstand seiner Forschungsarbeiten.

Mit dem „Konzept Oderbruch 2010“, in dem er für eine nachhaltige Kulturlandschaftsentwicklung, die Verbesserung der ökologischen Situation, die Minimierung der Kosten für die Standorterhaltung und die Bewahrung des Kulturerbes wirbt, hat er schon Anfang der 1990er Jahre – lange vor dem Hochwasser von 1997 – eine bemerkenswerte Perspektive für das Oderbruch zur Diskussion gestellt.

Seit 1975 wohnte Joachim Quast im wenige Kilometer vom Oderbruch entfernten Müncheberg. Mit ihm ist ein wichtiger Kenner der hydrologischen und wasserbaulichen Seiten des Oderbruchs gestorben.

An dieser Stelle sei auf die Beiträge von und über Prof. Joachim Quast im Oderbruchpavillon verwiesen, die einen tieferen Einblick in sein Wirken geben. Aus Anlass seines Todes haben wir auch das Gespräch, dass Tina Veihelmann zum Jahresthema WASSER mit Joachim Quast 2017 führte, im Oderbruchpavillon eingestellt.

https://archiv.oderbruchmuseum.de/wasserbaumassnahmen/
https://archiv.oderbruchmuseum.de/joachim-quast/
https.//archiv.oderbruchmuseum.de/oderbruch-verstehen-quast

Lars Fischer