
ENERGIE: 1 Thema, 3 Tage, 3 Kulturerbe-Orte: in diesem ereignisreichen Ferienworkshop im Boberhaus Letschin haben wir gleich drei Kulturerbe-Orte kennengelernt. Erst ging es mit den Fahrrädern zur Bockwindmühle Wilhelmsaue, am nächsten Tag zum Kulturhafen Großneuendorf und zum Abschluss kam Herr Petrick von der Heimatstube Letschin vorbei. An allen drei Orten haben die Kinder Audio- und Fotoaufnahmen gesammelt, Verbindungen zum Thema ENERGIE gesucht und daraus kleine Geschichten entwickelt. Die Ergebnisse verstecken sich nun hinter kleinen Holzwürfeln, die wir im Digicampus Letschin frisch gelasert haben. Ab August sind diese Würfel im Oderbruchmuseum zu finden.
Vielen Dank an die Gemeinde Letschin für die rege Unterstützung in diesem Projekt.
Bockwindmühle Wilhelmsaue
„Die Bockwindmühle ist knarzig, alt und cool.“
Wie wurde früher ganz ohne Strom Korn zu Mehl gemahlen? Mit über 50 Fragen wurde Frau Büttner von den Kindern gelöchert und hat alle mit auf eine Reise in die Vergangenheit genommen:
Fotostory








Das Brot und die Mühle, die Ernte und das Erntefest – das gehörte zusammen. Wie mag es sich damals angefühlt haben, nach der mühsamen Ernte in der sommerlichen Hitze das Korn zur Mühle zu bringen, dem Wind die Arbeit des Mahlens zu überlassen und aus dem frischen Mehl das erste Brot zu backen?
Manchmal ließ vielleicht der Wind auf sich warten. Aber das Erntefest blieb sicher nicht aus – mit Tanz und reich gedeckten Tischen. Gut, wenn am Ende noch genug übrig blieb, um über den Winter zu kommen und für magere Jahre vorzusorgen. Und mehr noch, um die fälligen Steuern zahlen zu können.
Mini Hörspiel
Kulturhafen Großneundorf
„Alter Hafen, neue Träume“
Diesen früher einmal sehr wichtigen Warenknotenpunkt haben die Kinder allein anhand von historischen Fotos, Zitaten, Geschichten und kleinen spontanen Interviews erkundet:
Fotostory








In dieser Fotostory erzählen die Kinder die Geschichte von Rosa – einer jungen Frau, die beschließt auszuwandern. Im Jahr 1911 liest sie in der Zeitung, dass die Oderbruchbahn bis an die Kaimauer in Groß Neuendorf führt und von dort aus Schiffe die Oder flussabwärts fahren. Die Geschichte ihrer eigenen Vorfahren, die einst den Schritt wagten, sich im Oderbruch niederzulassen, ohne eine Vorstellung von den Bedingungen und dem Leben in der neuen Heimat zu haben, macht ihr Mut – sie träumt von einem Neuanfang in England.
Erst bei ihrer Ankunft in Groß Neuendorf wird ihr bewusst, dass dort keine Passagierschiffe anlegen. Im Hafen werden das Getreide und andere Güter auf Lastkähne verladen. Am Ufer ruht sie sich von der ersten Etappe ihrer Reise aus und denkt nach. Da trifft sie auf einen freundlichen, älteren Schiffsheizer. Sein Gesicht und seine Hände sind vom Kohlenstaub geschwärzt. Tag ein, Tag aus befeuert er den Kessel des Dampfschiffes mit Kohle.
Ihm fehlt ein Mitarbeiter und er kann ihre Unterstützung unter Deck gut gebrauchen. Kurz entschlossen tauscht Rosa ihre Kleider gegen Hosen und Hemd und heuert als Kohlenschipperin an. Um an Bord bleiben zu können, muss Rosa ihre Identität verbergen und sich möglichst unauffällig verhalten. Insbesondere der Kapitän darf nicht erfahren, dass sich eine Frau unter der Besatzung befindet.
Rosas Geschichte ist fiktiv, aber sie könnte sich so oder so ähnlich zugetragen haben. Überliefert ist etwa die Geschichte der 60-jährigen Justina Tubbe aus Oderberg, die im Jahr 1855 nach Texas auswanderte
Mini Hörspiel
Heimatstube Letschin
„Zucker ist lecker, aber ungesund“
Zucker war früher ein Luxusgut aus Übersee, bis es aus regionalen Zuckerrüben gewonnen werden konnte und hier in den Alltag einzog. Mit der Entstehung mehrerer Zuckerfabriken wurde die Zuckerproduktion auch im Oderbruch prägend. Von der engen Wechselbeziehung zwischen Zucker als Energieträger und der energieintensiven Zuckerproduktion hat uns Herr Petrick aus der Heimatstube Letschin berichtet:
Fotostory




Der Rübenheber zum Lockern des Bodens und Anheben der Zuckerrüben. Das Messer zum Abschlagen der Blätter, das Beil zum Zerkleinern der Rüben. In den alten Scheunen rund um Letschin findet sich noch hier und da das Werkzeug, das einst überall gebraucht wurde, um Zuckerrüben von Hand zu ernten. Wir haben das mal ausprobiert. Und da die Zuckerrübenernte erst im Spätherbst stattfindet, haben wir uns eine Zuckerrübe gebastelt. In der Zuckerfabrik wurden die Rüben schließlich zu goldenem Sirup und weißem Zucker verarbeitet. Der Aufwand, den die Bauern einst für die Ernte der Zuckerrüben betrieben, war allerdings enorm – den Zucker hatten sie sich damit allemal verdient.
Mini Hörspiel
Ein Projekt der Landschaftlichen Bildung am Oderbruch Museums Altranft, finanziert durch die Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Kulturerbe Oderbruch.