Kulturerbe-Orte News

  • JUGENDkulturerbeort Wuschewier
    mobiler club

    Das Schul- und Bethaus in Wuschewier von Teenagern neu gedacht

    Was ist dein “Safer Space”, was “Dritte Orte” und was zur Hölle sind „Kulturerbe-Orte“? Braucht es diese auch für Jugendliche und wie sähe ein solcher für sie aus?
    Diesen Fragen stellen sich junge Leute aus der Umgebung im Schul- und Bethaus in Wuschewier. Dazu öffnen sich ab dem 14.10. jeden Samstag dort die Türen.
    Unter der Überschrift “Freundliche Übernahme – PopUp Space” können Teenager an diesen Tagen zwischen 16:00 und 22.00 Uhr Ideen und Visionen erarbeiten, wo möglich in Teilen auch umsetzen und so den Kulturerbe-Ort Schul- und Bethaus nach ihren Vorstellungen temporär umnutzen. In einer von den Teens gestalteten interaktiven Ausstellung, die auch zur Teilhabe animiert, sollen die Ergebnisse schließlich sichtbar gemacht und gleichzeitig von Besuchern erweitert werden können. Ein begehbarer Raum der Ideen soll so entstehen. Eigens für das Projekt wurde eine Webseite erstellt und bereits verschiedene Aktionen gestartet, um Jugendliche für das Projekt zu begeistern, denn die Ausstellung soll nur ein erster Schritt sein. Ein Besuch auf www.jugendkulturerbeort.perspektive-dorfstrasse.de lohnt sich.

  • Digital durch Kienitz und Wollup
    Künstleratelier
    Foto Johanna Ickert.

    Zwei digitale Spaziergänge führen auf der App Actionbound durch Kienitz und Wollup

    Im Projekt „Digitale Spaziergänge durch Wollup und Kienitz“ gestalteten Jugendliche aus Wollup und Kienitz im Alter von 10 bis 15 Jahren im Austausch mit älteren Einwohnern der Dörfer digitale Ortsspaziergänge mit Hilfe der kostenlosen App „Actionbound“. Dabei setzten sie ihre Kreativität vielfältig ein und betrachteten ihre Orte auf künstlerische, kritische und fragende Weise. Das Thema “Kindheit – damals und heute“ sowie „Landwirtschaft im Wandel der Zeit” spielte bei den Ortserkundungen eine zentrale Rolle.

    Johanna Ickert, die zusammen mit Christine Gambke und Nadine Lootze das Projekt inhaltlich begleiteten, schreibt: „In mehreren Workshops von Januar bis August 2023 erforschten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Orte mit einer Vielzahl von Methoden, darunter freies Texten, Videoerstellung, Audiointerviews, Erstellung von Rätseln und Fotografie. Sie traten in Dialog mit Zeitzeugen, CafébetreiberInnen, KünstlerInnen, Köchinnen, ehemaligen KitalerziehrInnen und vielen weiteren Menschen.“ Es gab eine enge Zusammenarbeit mit dem Verein Domäne Wollup e.V. und dem Kienitzer Seniorenverein.

    Die beiden mit Bildern, Quizfragen, Audioaufnahmen und Videobeiträgen gekoppelten digitalen Spaziergänge wurden am 1. September im Rahmen eines gemeinsamen Kegelabends in Kienitz beim Sportverein Traktor Kienitz e.V. vorgestellt.

    Nun sind die Spaziergänge über die App „Actionbound“ auch digital verfügbar, können abgelaufen und gespielt werden. Dazu sind zwei Schritte nötig: 1. die App „Actionbound“ aus den gängigen Playstores kostenlos herunterladen und auf dem eigenen Handy installieren und dann 2. die QR-Codes scannen: und los geht es.

    Viel Vergnügen!

    >>> Digitaler Spaziergang Kulturerbeort Wollup_QR_Codes.pdf
    >>> Digitaler Spaziergang-Kulturerbe-Ort-Kienitz_QR_Codes.pdf
  • Galerie: Kleinkunstreise per Rad
    Foto: Alex Schirmer

    Mit dem Rad von Wriezen an die Oder. Eine Reise in Bildern.

    Huh! Also ein bisschen gezittert haben wir schon. Vor Vorfreude aber auch vor Anspannung. Denn solch eine Radtour hatten wir noch nicht organisiert. Und so drehten sich die Nachrichten, die sich unser Team in der Woche vorher hauptsächlich um das Thema Wetter und wie viele Radler und Radlerinnen wir erwarten. Spoiler-Alarm: Wir hatten an diesem Samstag im August jedes Glück der Welt: Das Wetter war fantastisch (23 Grad, leicht bewölkter Himmel, kein Regen und kaum Wind) und so war es auch das Publikum. An Quantität (ca. 50 Radelnde) und Qualität (haben alle gut durchgehalten) war nun rein gar nichts auszusetzen. Aber das sind wir ja gewöhnt 😏.
    An allen Stationen, die wir ansteuerten gab es fantastische Kleinkunst von dem Festival der leisen Gesten zu sehen. So gab es zum Start am Wriezener Brunnen gleich Live-Musik und am ersten Stopp in Altwustrow Clownerie von Paprika Royal sowie einen Vortrag zur bewegten Geschichte der rebellischen Dorfkirche. Nur kurze Zeit später standen wir erneut in einer Kirche (eeeetwas größer dieses mal). In Neulietzegöricke gab es neben einer Besichtigung des Sakralbaus auch Kaffee und Kuchen und sogar etwas zum Lernen. Julian Bellini erklärte uns eindrucksvoll und amüsant das Jagdverhalten des Reihers sowie den traurigen Abschied von den Vogelkindern, wenn Papa Reiher wieder stundenlang im Schilf stehen muss. Toll! Die nächste Etappe erreichte unsere Equipe (im Oderbruch OHNE Bergfahrertrikot) nach nur kurzer Zeit auf dem Oderdeich (merke: Gegenwind kann im Oderbruch NUR aus zwei Richtungen kommen: von vorne und von hinten – und das meist gleichzeitig). An der Europabrücke angekommen wurden unsere Radelnden dann Zeuge wie dieses Symbol der Nachbarschaft in den erlauchten Kreis der Kulturerbe-Orte aufgenommen wurde. Dafür waren auch die Offiziellen da. Sie seien an anderer Stelle aufgezählt. Den Höhepunkt des Tages besorgte dann Georg Traber mit einer ganz aussergewöhnlichen Nummer, die damit endete, dass er fast nackig von der Aussichtsplattform der Brücke flüchtete. Sollte sie das neugierig machen empfehlen wir einen Blick auf die Ankündigung unter der Galerie.
    Bei einem (diese Werbung wurde NICHT bezahlt) ausserordentlich gutem Kaffee ließen wir den Tag ausklingen und der Fotograf dieser Bilder und Autor dieser Zeilen legte sich ins Eisbad.

    Das Festival der leisen Gesten sollte man gesehen haben. Mindestens 1x!

    Next Chance:

    GUTEN-MORGEN-EBERSWALDE DCCCXL
    SONNABEND, 12. AUGUST 2023, 10:30 UHR
    BEIM BARNIMER BRAUHAUS IN HOHENFINOW, DIREKT AM BAHNHOF NIEDERFINOW
    Das „Festival der leisen Gesten“! U.a. mit Julian Bellini, The Cat’s Back, Ursula Suchanek und Georg Traber (Geschichten, Installationen, Spiel und Musik)
    https://eblofari.com/
    Eintritt frei
    -in Kooperation mit dem Barnimer Brauhaus
    www.barnimer-brauhaus.de

  • DENKMALJUGEND – Kienitzer Jugendliche treffen Kienitzer Panzer
    Schuh an Panzerkette

    Eine Ausstellung des Kienitzer Ortsverein Heimat und Landschaft e.V.

    Die Jugendlichen in der Gemeinde Kienitz sind mit dem T34 Panzer der Roten Armee aufgewachsen. Er steht als Denkmal und Teil des Kulturerbes des Oderbruchs mitten im Dorf.
    Den Kienitzer Ortsverein Heimat und Landschaft e.V. interessierte, wie unter den aktuellen Bedingungen dieser Panzer und seine Symbolkraft bewertet wird. So entstand im Rahmen des Jahresthemas „Jugend im Oderbruch“ ein Ausstellungsprojekt, dass die Perspektiven der Kienitzer Jugendlichen auf dieses Denkmal in den Mittelpunkt rückt. Drei Fragen wurden ihnen gestellt: „Was hältst du vom Panzer/Panzerdenkmal und wofür steht das für dich? Ist dieses Denkmal noch zeitgemäß? Du hast drei Wünsche frei – welche sind das?“ Dazu wurden die Jugendlichen um ein Selfie gebeten, das ihre persönliche Haltung zum T34 ausdrückt.
    Die vielfältigen Antworten – von: „Der Panzer er gehört für mich zu Kienitz und erinnert an die Befreiung von Nazideutschland durch die Alliierten“ bis „Ein Denkmal, das in sich ein Symbol des Friedens trägt, fände ich passender“ – und die individuellen Fotos bilden die Grundlage der Ausstellung, die ab dem 19. August 2023 zwei Monate lang am T34-Panzerdenkmal in Kienitz zu sehen ist.

    Die meisten Jugendlichen aus Kienitz und Kienitz Nord haben sich beteiligt. Manche haben nur eine Fotografie beigesteuert, andere nur ihre Antwort auf die Fragen. Die anonymisiert präsentierten Ergebnisse spiegeln die Vielfalt der Haltungen, Gedanken und Meinungen in unserer Gesellschaft, schreiben die Ausstellungmacher. Wer in diesen Spiegel schauen möchte, ist herzlich zur Eröffnung der Ausstellung DENKMALJUGEND am 19. August 2023 um 11.00 Uhr am Kulturerbe-Ort Denkmalensemble Weltkriege Kienitz eingeladen.

    Der Kienitzer Ortsverein Heimat und Landschaft e.V. dankt allen Jugendlichen, die sich am Ausstellungsprojekt beteiligt haben.

  • Ein Salomonischer Tempel im Oderbruch?
    Das Molkenhaus Bärwinkel, Carl Friedrich Schinkels erste große Arbeit. Alle Fotos: © Michael Anker

    Reise durch die Kulturerbe-Orte – Episode 20

    In der früheren „Episode 18“ über Neuhardenberg wurde es bereits mit einem Satz erwähnt, nun besuchen wir Carl Friedrich Schinkels vermutliches „Erstlingswerk“. Etwa drei Kilometer vom Schloss Neuhardenberg entfernt, steht das Molkenhaus. Im Quilitzschen Vorwerk Bärwinkel wurde es 1802/03 in Form einer Basilika aus Raseneisenstein errichtet. Die denkwürdige Architektur vereinte verschiedenen Funktionen: Einerseits gibt es ein massives Gewölbe, welches als fensterloser Kühlraum, der Käselagerung diente, andererseits wurde der obere Saal im Mittelschiff wohl auch als „Tempel“ eines Geheimbundes genutzt. „Rittmeisters von Prittwitz, Eigentümer des benachbarten Quilitz (später Neuhardenberg), wollte wohl den Templerorden wiedererstehen lassen und hatte als Bauherr das Programm ändern lassen. Daher kommt es einerseits zu einer christlichen Basilika und auf der anderen Seite zu seiner Auffassung des salomonischen Tempels nach dem Hamburger Modell“, sagt der Molkenhaus-Eigentümer und Schinkel-Kenner Frank Augustin. Auch das Baumaterial des Molkenhauses ist ungewöhnlich. Es wurde mit dem, im Oderbruch verfügbaren, Sediment Raseneisenstein gebaut. In Verbindung mit Luft oxidiert das Eisen und verleiht dem Stein sowie dem Gebäude seine rotbraune Farbe.  

    Mit den Reformen und der Weiterentwicklung der Landwirtschaft (Episode 7), wurden größere Gebäude gebraucht. Von Prittwitz ließ aus diesem Grund durch Schinkels Lehrer David Gilly in Bärwinkel ein Vorwerk zur Produktion von Butter und Käse entwerfen. Die Anlage erfolgte nicht in der jahrhundertelang gültigen Siedlungsform am Anger oder an der Straße durch die Errichtung von drei- oder vierseitig umbauten Höfen, sondern isoliert in einer landschaftsgärtnerischen Kunstform als „Ornamented Farm“. Sie verbindet landwirtschaftlich genutzte Bereiche eines Anwesens ästhetisch mit nur dekorativ genutzten Gartenbereichen zu einer Einheit. Neben einem Stall für 110 Kühe wurde auch eine große Scheune errichtet. Beide Gebäude sind etwa 80 Meter lang. Erst danach wurde das Molkenhaus gebaut, das gebraucht wurde, um die Milch zu Butter und Magerkäse verarbeiten zu können. Das Haus beherbergte im Erdgeschoss auch die Wohnung des Verwalters. Das Molkenhaus gehört zum Typus des „folly“ im Landschaftsgarten. Er konnte mit, in der Regel verkleinerten, Kopien von Pyramiden, Tempelruinen, Pantheons, Venus-Tempeln und anderen Erinnerungen an die Antike ausgestattet werden, so auch mit einer Rekonstruktion des Salomonischen Tempels. Und es gab eine weitere Funktion für das Gebäude: „Von Prittwitz, war wohl ein sehr Konservativer, der in Opposition zum König stand. Er hatte mit seinen Gutsnachbarn von Alvensleben, von der Marwitz und anderen Adligen vor, den Templerorden wieder entstehen zu lassen. Sie wollten einen gegenreformerischen Geheimbund gründen und sie wollten nichts wissen von der Beendigung der Leibeigenschaft der Bauern. Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. hatte auf seinen Staatsdomänen bereits die Leibeigenschaft aufgehoben. Der König war also fortschrittlicher als der altständische Adel hier. Die Bauern haben mit Unterstützung des Pfarrers ihre Frondienste boykottiert und zwangen von Prittwitz zur Aufgabe“, so Frank Augustin.

    Architekt Frank Augustin ist „halber“ Eigentümer des Molkenhauses. Zur Bodenreform 1948 wurde das Grundstück geteilt, sodass die Grundstücksgrenze nun mitten durch das Haus verlief und es teilte. Sonntags führt er Gäste durch seinen Teil des architektonischen Kleinods. Gemeinsam mit den Förderverein Bärwinkel e.V. kümmert sich Frank Augustin um den Erhalt und die Rekonstruktion des ehemaligen Verwalter- und Molkenhauses, dem ersten architektonischen Hauptwerk des damals erst zwanzigjährigen Schinkel. Seit 1990 seien viele bestandssichernde Maßnahmen durchgeführt worden. Als Frank Augustin das Gebäude erstmals besichtigte, wuchsen bereits Birken aus dem Dach. Zu DDR-Zeiten hätte sich keiner darum gekümmert. Es stand nur der salomonische Tempel, die Front, unter Denkmalschutz. Alles andere war geputzt und wurde daher wahrscheinlich nicht richtig erkannt. Die Verantwortlichen des Denkmalschutzes in der DDR hätten sich nur um Neuhardenberg gekümmert, so der Schinkel-Kenner. Im Zuge der Sicherungen seien die Verlängerung von Mittel- und südlichem Seitenschiff, sowie die Aufstockung desselben abgetragen worden. Dadurch sei der Schinkel-Bau wieder erkennbar und lesbar. 

    „Das Molkenhaus in Bärwinkel ist – kunstgeschichtlich gesprochen – der erste neoromanische Bau auf dem europäischen Festland“, sagt Frank Augustin. „Die Inhalte dieser Architektenarbeit, wie der Rundbogenstil, der unverputzte Rohbau, die Gleichheit des Innen und Außen in der Gliederung der Außenwände des östlichen Querbaus, die ingenieurtechnische und unkonventionelle Art der Dachwerkskonstruktion, die Rationalisierung des Dekors oder die Unterwerfung der Abmessungen durch artifizielle Proportionierung verweisen schon auf spätere baugeschichtlich bedeutendste Werke Schinkels. Schinkels Historismus enthält bereits in dieser Arbeit einen Kern von Sachlichkeit.“ So sei das Molkenhaus das erste und das Gebäude für die Bauakademie in Berlin das letzte der großen Werke des Architekten.

    Schinkels Molkenhaus auf Bärwinkel, 15320 Neuhardenberg OT Bärwinkel
    http://www.foerderverein-baerwinkel.de
    Geöffnet: April bis Oktober, sonntags 11:00 bis 15:00 Uhr, Telefon: 0171 4121206.

    Weitere Informationen zu den Kulturerbe-Orten finden Sie unter: www.oderbruchmuseum.de/kulturerbe-orte
    Bisher erschiene Episoden können Sie unter folgendem Link lesen: 
    https://blog.oderbruchmuseum.de/category/reise-durch-die-kulturerbe-orte